Die sieben Reden an die Toten (1916)

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Septem Sermones ad Mortuoa

REDE VII
Des Nachts aber kam die Toten wieder mit kläglicher Gebärde und sprachen: Noch eines, wir vergaßen davon zu reden, lehre uns vom Menschen. Der Mensch ist ein Tor, durch das ihr aus der Außenwelt der Götter, Dämonen und Seelen eintretet in die Innenwelt, aus der größeren Welt in die kleinere Welt. Klein und nichtig ist der Mensch, schon habt ihr ihn im Rücken, wiederum seid ihr im unendlichen Raume, in der kleineren oder inneren Unendlichkeit. In unendlicher Entfernung steht ein einziger Stern im Zenith. Dies ist der eine Gott dieses einen, dies ist seine Welt, sein Plerome, seine Göttlichkeit. In dieser Welt ist der Mensch der Abraxas, der seine Welt gebiert oder verschlingt. Dieser Stern ist der Gott und das Ziel des Menschen. Dies ist sein einer führender Gott In ihm geht der Mensch zu Ruhe Zu ihm geht die lange Reise der Seele nach dem Tode, in ihm erglänzt als Licht alles, was der Mensch aus der größeren Welt zurückzieht Zu diesem einen bete der Mensch Das Gebet mehr das Licht des Sternes Es schlägt eine Brücke über den Tod Es bereitet das Leben der kleineren Welt Und mindert das hoffnungslose Wünschen der größeren Welt Wenn die größere Welt kalt wird, leuchtet der Stern Nichts ist zwischen dem Menschen und seinem einen Gotte, sofern der Mensch seine Augen von flammenden Schauspiel des Abraxas abwenden kann. Mensch hier, Gott dort. Schwachheit und Nichtigkeit hier, ewige Schöpferkraft dort. Hier ganz Dunkelheit und feuchte Kühle, dort ganz Sonne. Darauf schwiegen die Toten und stiegen empor wie Rauch über dem Feuer des Hirten, der des Nachts seiner Herde wartete.

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